Dezember 5, 2011
Bankenrettung zahlt sich aus…für die Banken!

Nur der Nachrichtenagentur Bloomberg ist es zu verdanken, dass wir heute wissen, wer im Zeitraum zwischen 2007 und 2009 von den Notkrediten der US-Notenbank Fed profitiert hat. Lange wollte die Fed die Verteilung der Kredite geheim halten, eine Klage von Bloomberg unter dem Freedom of Information Act brachte die 29.000 (!) Seiten Papier an die Öffentlichkeit. Die Analyse dieses riesigen Datenmaterials bringt auch heute noch interessante Details zum Vorschein, berichtet der Blogger egghat.

Nach und nach deckte Bloomberg nun die Geheimnisse der Fed auf und berechnete in der Spitze eine Summe der Notkredite von 1,2 Billionen Dollar am 5. Dezember 2008. Diese Rettungsmaßnahmen zur Aufrechterhaltung der Liquidität wurden niedriger als üblich verzinst und schafften den betroffenen Banken damit einen Zinsvorteil gegenüber der üblichen Risikoprämie. Zwischen 2007 und 2009 sollen die US-Banken dadurch 13 Mrd. Dollar gespart haben, berechnet Bloomberg:

The Fed didn’t tell anyone which banks were in trouble so deep they required a combined $1.2 trillion on Dec. 5, 2008, their single neediest day. Bankers didn’t mention that they took tens of billions of dollars in emergency loans at the same time they were assuring investors their firms were healthy. And no one calculated until now that banks reaped an estimated $13 billion of income by taking advantage of the Fed’s below-market rates, Bloomberg Markets magazine reports in its January issue.

Die Unterstützung durch die Federal Reserve war dabei gigantisch und überstieg nicht selten deutlich den Wert der betroffenen Bank. Reuters zeigt am Beispiel von Morgan Stanley auf, was die Fed als lender of last resort ausmacht. In der Abbildung sind drei Linien zu sehen. Die schwarze Linie zeigt die Marktkapitalisierung (Aktienkurs x Anzahl der ausgegeben Aktien) von Morgan Stanley, die sich bei rund 40 Mrd. Dollar bewegt. Im Tiefpunkt im November 2008 war das Bankhaus an der Börse allerdings nur mit 9,8 Mrd. Dollar bewertet. Die orange Linie ist der Betrag der Notkredite, die an einem bestimmten Tag von der Fed bereitgestellt wurde. Und die rote Linie ist das Verhältnis der beiden Summe, also die Schulden der Bank gemessen an ihrem Börsenwert. Im Oktober 2008 lag dieses Verhältnis bei 750 Prozent, die Bank war um das Achtfache ihres Werts verschuldet.

Das aber nicht nur US-Banken von den Notkrediten unterstützt werden mussten und auch wurden, zeigt eine Auflistung bei FT Alphaville. Unter den 15 Geldinstituten, welche Schätzungen zufolge die größten Schulden bei der Fed aufgenommen haben, finden sich zahlreiche europäische Banken, allen voran die Royal Bank of Scotland.

Hier zeigt sich der Pragmatismus der US-Notenbank, die keine Unterscheidung nach Firmensitz getroffen haben. Wer Unterstützung brauchte, hat diese auch bekommen. Im Gegensatz dazu streiten sich in Europa Frankreich und Belgien, wer nun die Dexia Bank retten müsse.

Das Fazit ist eindeutig: Um die Banken zu retten wurden hinter den Fassaden riesige Summen locker gemacht und zu subventionierten Zinssätzen an die Geldinstitute vergeben. Wer nun argumentiert, dass dies nur eine kurzfristige Angelegenheit zur Aufrechterhaltung der Liquidität sei, und das Geschäftsmodell der Banken dadurch nicht in Frage zu stellen sei, der sei daran erinnert, mit welch schwindligen Finanzinstrumenten hantiert wurde und welch faule Kreditlast mit höchster Bonitätsbewertung in den Tresoren versteckt wurden. Das Geschäftsmodell muss als gescheitert betrachtet werden, die vergangenen Jahre haben uns dies eindrucksvoll gezeigt.

  1. von thinkreverse gepostet
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